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Stuttgart Scorpions

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Als Fortsetzung meines letzten Blogposts “Branding im Sport” schauen wir uns heute das Logo der Stuttgart Scorpions im Detail an. Die Scorpions werden in der Stadt immer präsenter und American Football scheint sich in Deutschland zu etablieren. Aus diesem Anlass wollte ich unsere lokale, aufstrebende Mannschaft darin unterstützen, indem ich zeige auf welche Faktoren man im Logodesign achten kann und wie sie ihr Branding in Zukunft professionalisieren können.

 
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1 — Der Schatten

Der sogenannte “Drop Shadow” ist ein gängiges Mittel um Logos Tiefe und Materialität zu verleihen. Setzt man diesen Schatten allerdings nicht gezielt ein, ergeben sich viele ungewollt unruhige Stellen. Einige davon habe ich in der Grafik markiert. Wenn man genau hinsieht stellt man fest, dass alle Buchstaben davon betroffen sind. Diese Ecken und Kanten haben die Tendenz in kleinen Darstellungsgrößen zu verlaufen und die klare Form des Logos zu verwaschen.

Eine Möglichkeit dieses Problem zu umgehen wäre es, die Ecken zu “füllen” und den Eindruck entstehen zu lassen, die Schrift hätte echte Tiefe, anstelle zu schweben.

 
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2 — Typografische Feinheiten

Es ist nicht ungewöhnlich für ein Logo einen Font als Anfang zu nehmen. Dann allerdings passt man die Schrift an die Gegebenheiten an und macht sich das Logo zu eigen. Bei den Scorpions gibt es ein paar Unstimmigkeiten, die man korrigieren könnte:

  • Zwischen dem “c” und “o” ist eine kleiner schwarzer Einschub, den man verhindern könnte, wenn man den Abstrich vom “c” steiler kippt.

  • Die Verbindung zwischen dem “r” und der Serife des “p” ist unglücklich und ungewollt. Man kann aber das “r” in einer Linie mit dem “p” gestalten und die Serife absichtlich verbinden. So stolpert man nicht über diese Stelle.

  • Die Innenräume und Punzen des gesamten Wortes “Stuttgart” laufen zu. Besondern auffällig bei den vielen Ts und dem A. Da wurde die weiße Kontur so stark gesetzt, sodass viele kleine undefinierbare Räume entstehen. Eine weitere, potenzielle Fehlerquelle beim Druck.

 

3 — Der Helm

Der Helm hat gleich mehrere geometrische Eigenheiten, die ihn schwer fassbar machen. Er ist perspektivisch nicht korrekt gezeichnet und sieht, wenn man ihn länger betrachtet, weich aus.

  • Die Facemask sieht aus, als wäre sie aus flachem Blech gemacht, und nicht aus runden Rohren.

  • Die Rohre sind auf beiden Seiten unterschiedlich hoch befestigt. Einmal kurvt das Rohr runter, einmal hat es eine Aufwärtsbewegung.

  • Das farbige “Highlight” auf dem Helm rechts oben macht keinen Sinn, da es heller sein müsste als der Untergrund.

  • Das Icon (Das ich übrigens sehr gelungen finde) ist nicht perspektivisch verzerrt. Man glaubt nicht, dass es wirklich auf dem Helm ist.

  • Die sehr stark variierenden Konturen des Helmes (der wie der einer Vespa aussieht) verstärken den Eindruck, dass die Facemask später hinzugefügt wurde. Auch fehlen dort - meiner Meinung nach - wichtige Elemente.

 
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4 — Der Abschwung

Der Schwung auf der Unterseite des Logos kommt historisch vom Abschwingen mit einer Feder oder einem Pinsel. Leider glaubt man der Kurve ihre natürliche Herkunft nicht und es sieht mehr nach einem verzerrten “s” aus. Auch das Ende des Schwungs hat eine Kante, die höchst wahrscheinlich aus einem Illustrator Bug kommt.

Zusammenfassung

Alles in allem ist das Logo der Scorpions nach einem altbewährten, amerikanischen und guten Schema aufgebaut. Allerdings nicht konsequent zu Ende gearbeitet. Sowohl der Schriftzug als auch das Scorpion Icon ist sehr eigen, gut und hat einen Erkennungswert. Leider ist beides nicht der Fokus des Logos. Das Zusammenspiel der einzelnen Elemente funktioniert nicht und das Auge hüpft unruhig über das Logo, ständig auf der Suche nach Kleinigkeiten, an denen es sich aufhängen kann. Elemente wie die Hintergrundraute lassen sich konzeptionell nicht erklären und versuchen zusammenzuhalten was droht auseinander zu fallen.

Generell hat das Logo viel Potential optimiert zu werden, ohne an Wiedererkennung zu verlieren. Ein Re-Branding würde ich nicht vorschlagen. Viel wichtiger wäre das Thema Konsequenz. Man müsste entscheiden ob der Helm seitlich oder in einer 3/4 Perspektive steht. Man müsste einen echten American Football Helm zeichnen und man müsste entscheiden wie wichtig das Scorpion Icon wirklich ist. Sich für eine Hausschriftart entscheiden wäre dann schon das nächste Thema.

Wobei wir dann auch beim Scorpions Merchandise wären: Man merkt, dass eine gestalterische Grundlinie fehlt und nur bei Bedarf produziert wird. Eine vertane Chance wie ich finde.

 

Eine Ansammlung von Shirts aus den letzten Jahren.

Eine Ansammlung von Shirts aus den letzten Jahren.

Das Scorpions Logo gibt es auch als Einfarbige Version. Interessanterweise aber als Kontur.

Das Scorpions Logo gibt es auch als Einfarbige Version. Interessanterweise aber als Kontur.


Was mich positiv überrascht hat ist das extrem coole Maskottchen der Scorpions. Ebenfalls ein großartiger Ausgangspunkt für ein Logo.

Was denkt ihr? Würdet ihr einer Mannschaft eher folgen, wenn sie einen professionelleren Auftritt hat? Oder seid ihr mehr am spielerischen Erfolg interessiert? Glaubt ihr wie ich, dass beides zusammenhängt? Oder ist das eine Ansicht, die ausschließlich ein Grafiker vertreten kann?

Ich freue mich von euch zu hören.

Felix KoutchinskiComment